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SFB (1369) Vigilanzkulturen: Transformationen—Räume—Techniken TP A02: Selbstbeobachtung und Selbstermächtigung in der amerikanischen Aufklärung

Teilprojektleiter: Prof. Dr. Klaus Benesch

Mitarbeiter (Postdoktorand): Patrick Geiger

Wiss. Hilfskraft: Julius Zimmer

Das Teilprojekt untersucht die für die Themenstellung des SFB sehr wichtige Transformation religiöser in aufgeklärt-weltliche Formen von Vigilanz anhand ausgewählter historischer Quellen und autobiographischer Texte des 18. Jahrhunderts. Ausgehend von der sich im 18. Jahrhundert in den amerikanischen Kolonien ausbreitenden, systematischen Selbstbeobachtung in Form von Tagebüchern und Tugendkatalogen, wie man sie exemplarisch bei William Byrd oder Benjamin Franklin findet, sollen säkularisierte Formen der puritanischen ideology of control beschrieben werden. Diese sind Teil einer alle Lebensbereiche erfassenden Kultur der Selbstoptimierung, die von einem neuen, aufgeklärten Verständnis von Schicksal und Geschichte als grundsätzlich offenen Kategorien menschlicher Selbstentfaltung sowie der daraus resultierenden Unwägbarkeit hinsichtlich der Erreichung selbstgesetzter Ziele angetrieben wird.

Zeitgleich mit Shaftesburys psychologistischer ‚Anatomie der Seele‘, deren Grundzüge er in seiner Schrift Soliloquy (1710) in Form eines Dialogs des Menschen mit sich selbst beschreibt, verlagert sich jenseits des Atlantiks die Aufmerksamkeit des Einzelnen von der Exegese der heiligen Schrift als der dem Menschen einzig zugänglichen Manifestation des göttlichen Willens (das puritanische sola scriptura) auf die systematische Erfassung und Überprüfung des eigenen bzw. kollektiven Handelns. Als Mittel der Selbstvergewisserung dient von nun an die im Schreibakt manifeste, vigilante Selbstbeobachtung des Individuums, das sich zunehmend als rational agierendes Subjekt inter pares versteht. Introspektion und autobiographische Dialogizität bilden dabei die Grundlage fortwährender Selbstkontrolle, deren Anfänge im sokratischen know thyself zu finden sind, welches in der frühen amerikanischen Republik aufgrund der ihr eigenen Rückbesinnung auf antike Vorbilder hoch im Kurs stand. Sie legen damit auch den Grundstein für die bis heute anhaltende Tendenz zum öffentlichen Bekenntnis von persönlichem Fehlverhalten (man denke etwa an George W. Bushs verstörende Aussagen zu seinem ‚überwundenen‘ Alkoholismus), das für die US-amerikanische Kultur kennzeichnend ist.

Das Teilprojekt soll anhand von Tagebüchern, Tugendkatalogen, Autobiographien, Zeitschriften (Early American Almanacs), Korrespondenzen und politischen Essays unterschiedliche Erscheinungsformen dieser Transformation untersuchen und dabei sowohl die Differenzen als auch die Kontinuitäten zwischen religiösen und weltlich-autonomen Praktiken von Vigilanz in den Blick nehmen. Hierbei muss methodisch zwischen auf die Gesellschaft bzw. die geschichtliche Entwicklung der amerikanischen Nation insgesamt bezogenen Formen von Vigilanz, wie sie sich häufig in der persönlichen Korrespondenz der Gründungsväter ausmachen lässt, und solchen, die ausschließlich auf das Individuum gerichtet sind (etwa in den heimlichen Aufzeichnungen des William Byrd von Westover), unterschieden werden. Des weiteren gilt es, die im Prozess der vigilanten Selbstbeobachtung angelegte Spannung zwischen individueller Responsibilisierung und implizitem, kollektiv vorgeprägtem Wissen für eine über den unmittelbaren zeitgeschichtlichen Kontext hinausweisende Re-Lektüre kanonisierter Texte der amerikanischen Aufklärung wie der Autobiographie Franklins produktiv zu machen. Insofern Vigilanz im hier verstandenen Sinn immer auch den performativen Akt der Sichtbarmachung durch Verschriftlichung bzw. Veröffentlichung mit begreift, kann das Teilprojekt auch einen Beitrag zu der in der Amerikanistik virulenten Debatte um ‚Anerkennung‘ (recognition) als konstitutivem Element sozialer und ästhetischer Prozesse leisten (Gutmann 1992; Fluck 2017).

DFG-Forschergruppe 593 "Anfänge (in) der Moderne: Theoretische Konzepte, literarische Figurationen, historische Konstruktionen"
Teilprojekt "Anfangsorte: Topographien der Erneuerung in der amerikanischen Romantik, 1820 – 1870"

(Prof. Dr. Klaus Benesch, Sascha Pöhlmann)

Das Teilprojekt Anfangsorte hat zum Ziel, den Zusammenhang zwischen Anfängen und den Orten, an die diese Anfänge imaginativ gebunden bzw. zu denen sie in Beziehung gesetzt werden, in der formativen Periode der amerikanischen Literatur, der sogenannten „American Renaissance“, zu analysieren. Es verbindet damit zwei den Kategorien von Raum und Zeit untergeordnete und zumeist isoliert betrachtete Konzeptualisierungen des Anfangs, die für die im 19. Jahrhundert entstehende Nationalliteratur der USA von zentraler Bedeutung sind. Das Projekt geht von der Annahme aus, daß sowohl Orte als auch Anfänge grundsätzlich diskursiv konstituiert sind, und daß beide im literarischen Diskurs der Zeit in komplexer Weise miteinander verschränkt werden. Den kultur- und geistesgeschichtlichen Hintergrund für diese Verschränkung bildet dabei zum einen die Herausbildung einer eigenen, an der sublimen Weite des amerikanischen Naturraums orientierten nationalen Ästhetik. Zum anderen wird in einem Teil der zeitgenössischen Literatur genau dieses Ausgreifen in den transzendentalen Raum der Natur als Problem gesehen und nunmehr mit der (Selbst-)Beschränkung auf konkrete, genau bestimmbare ‚Orte’ beantwortet. In welchem Verhältnis diese Orte dann einerseits zum epochalen Projekt der neuen Nation stehen bzw. andererseits die Brüche und Ambiguitäten in der diskursiven Konstruktion von Modernität insgesamt widerspiegeln, soll am Beispiel zentraler Texte von Thoreau und Whitman unter Einbeziehung der „space/place“-Debatte im Ecocriticism und in den Environmental Studies herausgearbeitet werden.

Website: http://www.forschergruppe-anfaenge.lmu.de/

 

Competing Modernities: Germany and the United States, 1890 to the Present

(Project Director: Prof. Dr. Christof Mauch and Kiran Patel, Harvard University)

The goal of this project is to systematically compare the paths of the United States and Germany from a number of vantage points over an extended period of time. Made possible by a grant from the Robert Bosch Stiftung (Stuttgart) and the support of the German Historical Institute, the project is directed by Christof Mauch (Amerika-Institut) and Kiran Patel (Harvard University) and is also supported by the American Institute of Contemporary German Studies. It is conceived for a broader public in addition to an academic audience. One of the project’s major objectives is the publication of a collection of scholarly but highly readable essays in English and German. Because it is the first comprehensive comparison of two national histories on this scale, it is hoped that the publication will serve as a model and a stimulus for future research. The project also strives to contribute to the public discussion about future social and political developments in Germany and in the United States.

For more information see www.ghi-dc.org/competingmodernities/index.cfm

 

Natural Disasters in Transatlantic Perspective: River Floods in German and U.S. History

(Project Director: Prof. Dr. Christof Mauch in collaboration with Uwe Lübken, Washington, DC)

For more information see www.ghi-dc.org/publications/ghipubs/bu/035/35.98.pdf


Amerikanische Europakonstruktionen

(Prof. Dr. Christof Mauch mit Ariane Leendertz und Maren Roth)

Internationale Umweltgeschichte: Natur als kulturelle Herausforderung

(Prof. Dr. Christof Mauch mit Helmuth Trischler, Deutsches Museum)

 

Forschungsaufenthalte

Titel: American Visual Culture: Interdisciplinary Approaches to Research and Teaching
Leitung: Prof. Dr. Christof Decker (LMU) in Kooperation mit Prof. Dr. Mark Sandberg (UCB)
Projekttyp: Mini-Workshop
Dauer: 26. September bis 5. Oktober
Ort: UC Berkeley

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