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Aktuelle Projekte

‘The End of Privacy?’ ‒ Selbst- und Fremdbeobachtung in den USA des 20. und 21. Jahrhunderts“

(Dr. Bärbel Harju)

vigilanz bärbelIm Rahmen des von der DFG geförderten Sonderforschungsbereichs „Vigilanzkulturen“ leitet Dr. Bärbel Harju ein amerikanistisches Teilprojekt mit dem Titel ‘The End of Privacy?’ ‒ Selbst- und Fremdbeobachtung in den USA des 20. und 21. Jahrhunderts,“das sie gemeinsam mit einer Doktorandin, Loredana Filip, bearbeitet. Weitere Informationen, Termine und Veranstaltungen sind auf der Website des SFB auffindbar.

Grüne Neue Welt: Reisen in die Geschichte und Natur der USA

(Prof. Dr. Christof Mauch)

grüne neue weltDas Forschungs- und Publikationsprojekt ist keine gewöhnliche Geschichte der USA. Nicht die Politik, nicht die Präsidenten und die Kriege, stehen im Zentrum. „Grüne Neue Welt“ erzählt die Geschichte der Amerikaner und ihres Verhältnisses zur Natur am Beispiel von ausgewählten Orte und Regionen und deren natürlicher und kultureller Verwandlung über längere Zeiträume hinweg. Die Recherchen basieren auf Forschungen vor Ort. Für die Auswahl war nicht in erster Linie das Spezifische ausschlaggebend, sondern das Symptomatische und Repräsentative. Dodge City, Kansas, zum Beispiel steht für die Prärie des Mittleren Westens mit ihren weiten Ebenen, den Sandstürmen und den riesigen Rinderherden. St. Thomas, Nevada, repräsentiert die Wüste, die künstlich bewässerte und militarisierte Landschaft des amerikanischen Südwestens. Wiseman, Alaska, verkörpert die Arktis, die Ausbeutung der Naturressourcen wie Gold und Öl, aber auch den Schutz der Wildnis. Memphis, Mississippi, steht stellvertretend für andere Orte am Mississippi River, der ganz eigene Kulturen hervorgebracht hat. Malibu, Kalifornien, vertritt jene Orte an der südlichen Pazifikküste, die in unserer Imagination paradiesisch erscheinen, zugleich jedoch von Naturkatastrophen aller Art heimgesucht werden. Das Kapitel Disney World, Florida, führt in die Umweltgeschichte der subtropischen Feuchtgebiete im Südosten. Und Portland, Oregon, zeigt, wenngleich nicht ganz ohne Augenzwinkern, dass es in Amerika Orte gibt, die kritisch mit ihrer toxischen Vergangenheit umgehen und sich gezielt als nachhaltige Gemeinwesen neu erfinden.

Die Anspielung des Titels „Grüne Neue Welt“ auf Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ ist beabsichtigt. In Huxleys Roman ist die Welt nicht wirklich schön. Analog ist sie im vorliegenden Buch auch nicht wirklich „grün“. Die Vereinigten Staaten sind nicht gerade für grüne Landschaften bekannt - ein Großteil des nordamerikanischen Kontinents ist braun, Teile der Wüste sind rötlich, die Gipfel der Rockys und Alaskas sind weiß; auch im übertragenen Sinne wird man die USA wohl kaum als ökologisch-grüne Welt bezeichnen. Dennoch ist der Titel nicht nur ironisch oder gar als dystopische Zukunftsvision im Sinne von Huxley gemeint. Vielmehr will er provozieren. Die meisten Publikationen zur Umweltgeschichte und -politik der USA gehen von der schleichenden Zerstörung der Natur durch den Menschen aus. Diese pessimistische Meistererzählung betont das kulturelle Versagen des Menschen. Zuweilen geht sie sogar so weit, „das Ende der Natur“ (Bill McKibben) zu prophezeien. Die Realität ist freilich komplizierter. Bewahrung und Zerstörung liegen oft nahe beieinander. Diese Einsicht kommt in den hier erzählten Geschichten zum Vorschein, weil die Geschichten grundlegende Spannungen und Ambivalenzen im Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt ans Licht bringen und damit über die Geschichte der USA hinausweisen.

Tor in die Zukunft? Debatten um die Umgestaltung von Porto Maravilha (Rio de Janeiro)

(Prof. Dr. Ursula Prutsch)

Die waterfront von Rio de Janeiro, der Porto Maravilha, erlangte durch die jahrhundertelange Ära des Kolonialismus und der Sklaverei als wichtigster Hafen der Stadt große Bedeutung. Seit 2011 wird die Hafenzone durch public-private partnerships „revitalisiert“. In einer Stadt, die mit Exotik, Delinquenz und Drogenökonomie assoziiert wird, sollte die Hafenzone im Kontext der FIFA Fußballweltmeisterschaft 2014 und der Olympischen Sommerspiele 2016 ein international beachtetes Schaufenster für urbane Ethiken darstellen, mit Grünflächen, leistbarem Wohnen und sauberem Wasser. Erstmals in der Geschichte des Landes will die Hafenzone auch ein Ort verantwortungsvoller Vergangenheitsbewältigung sein und die Verbrechend der Sklavenökonomie in kulturhistorischen Projekten wie Museen, afro-brasilianischen Denkmälern, Kulturzentren und Veranstaltungen im öffentlichen Raum kritisch-analytisch präsentieren. Insgesamt sollte das Projekt den Porto Maravilha als Spiegelbild sozialer Inklusionspolitiken in der Stadt, im Bundesstaat Rio de Janeiro und im Bund fungieren, wie sie durch die ehemaligen Regierungen von Luiz Inácio Lula da Silva und Dilma Rousseff (2003-16) angestrebt und teils realisiert worden waren. Das Projekt arbeitet heraus, welche Entscheidungen der architektonisch-symbolischen und ökonomischen Transformation der Hafenzone in einer top-down Politik getroffen wurden und welche Ergebnisse durch die Zusammenarbeit zwischen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren erzielt wurden. Zudem analysiert es, welche Formen der governance, welche Möglichkeiten sozialer Kreativität eine Rolle spielen, ob ethische Subjekte in der Umgestaltung der Hafenzone zur Sprache kommen und die Kulturpolitik tatsächlich ein neues historisches Bewusstsein über die Geschichte der Sklaverei generiert. Das Projekt ist Teil der interdisziplinären DFG-Forschergruppe „Urbane Ethiken“ an der LMU.

SFB (1369) Vigilanzkulturen: Transformationen—Räume—Techniken TP A02: Selbstbeobachtung und Selbstermächtigung in der amerikanischen Aufklärung

Teilprojektleiter: Prof. Dr. Klaus Benesch

Mitarbeiter (Postdoktorand): Patrick Geiger

Wiss. Hilfskraft: Julius Zimmer

sfb klausDas Teilprojekt untersucht die für die Themenstellung des SFB sehr wichtige Transformation religiöser in aufgeklärt-weltliche Formen von Vigilanz anhand ausgewählter historischer Quellen und autobiographischer Texte des 18. Jahrhunderts.

Ausgehend von der sich im 18. Jahrhundert in den amerikanischen Kolonien ausbreitenden, systematischen Selbstbeobachtung in Form von Tagebüchern und Tugendkatalogen, wie man sie exemplarisch bei William Byrd oder Benjamin Franklin findet, sollen säkularisierte Formen der puritanischen ideology of control beschrieben werden. Diese sind Teil einer alle Lebensbereiche erfassenden Kultur der Selbstoptimierung, die von einem neuen, aufgeklärten Verständnis von Schicksal und Geschichte als grundsätzlich offenen Kategorien menschlicher Selbstentfaltung sowie der daraus resultierenden Unwägbarkeit hinsichtlich der Erreichung selbstgesetzter Ziele angetrieben wird.

Das Teilprojekt arbeitet anhand von Tagebüchern, Tugendkatalogen, Autobiographien, Zeitschirften (Early American Lmanacs), Korrespondenzen und politischen Essays unterschiedliche Erscheinungsformen dieser Transformation heraus und nimmt dabei sowohl die Differenzen als auch die Kontinuitäten zwischen religiösen und weltlich-autonomen Praktiken von Vigilanz in den Blick.

DFG-Forschergruppe 593 "Anfänge (in) der Moderne: Theoretische Konzepte, literarische Figurationen, historische Konstruktionen"
Teilprojekt "Anfangsorte: Topographien der Erneuerung in der amerikanischen Romantik, 1820 – 1870"

(Prof. Dr. Klaus Benesch, Sascha Pöhlmann)

Das Teilprojekt Anfangsorte hat zum Ziel, den Zusammenhang zwischen Anfängen und den Orten, an die diese Anfänge imaginativ gebunden bzw. zu denen sie in Beziehung gesetzt werden, in der formativen Periode der amerikanischen Literatur, der sogenannten „American Renaissance“, zu analysieren. Es verbindet damit zwei den Kategorien von Raum und Zeit untergeordnete und zumeist isoliert betrachtete Konzeptualisierungen des Anfangs, die für die im 19. Jahrhundert entstehende Nationalliteratur der USA von zentraler Bedeutung sind. Das Projekt geht von der Annahme aus, daß sowohl Orte als auch Anfänge grundsätzlich diskursiv konstituiert sind, und daß beide im literarischen Diskurs der Zeit in komplexer Weise miteinander verschränkt werden. Den kultur- und geistesgeschichtlichen Hintergrund für diese Verschränkung bildet dabei zum einen die Herausbildung einer eigenen, an der sublimen Weite des amerikanischen Naturraums orientierten nationalen Ästhetik. Zum anderen wird in einem Teil der zeitgenössischen Literatur genau dieses Ausgreifen in den transzendentalen Raum der Natur als Problem gesehen und nunmehr mit der (Selbst-)Beschränkung auf konkrete, genau bestimmbare ‚Orte’ beantwortet. In welchem Verhältnis diese Orte dann einerseits zum epochalen Projekt der neuen Nation stehen bzw. andererseits die Brüche und Ambiguitäten in der diskursiven Konstruktion von Modernität insgesamt widerspiegeln, soll am Beispiel zentraler Texte von Thoreau und Whitman unter Einbeziehung der „space/place“-Debatte im Ecocriticism und in den Environmental Studies herausgearbeitet werden.

Website: http://www.forschergruppe-anfaenge.lmu.de/

 

Competing Modernities: Germany and the United States, 1890 to the Present

(Project Director: Prof. Dr. Christof Mauch and Kiran Patel, Harvard University)

The goal of this project is to systematically compare the paths of the United States and Germany from a number of vantage points over an extended period of time. Made possible by a grant from the Robert Bosch Stiftung (Stuttgart) and the support of the German Historical Institute, the project is directed by Christof Mauch (Amerika-Institut) and Kiran Patel (Harvard University) and is also supported by the American Institute of Contemporary German Studies. It is conceived for a broader public in addition to an academic audience. One of the project’s major objectives is the publication of a collection of scholarly but highly readable essays in English and German. Because it is the first comprehensive comparison of two national histories on this scale, it is hoped that the publication will serve as a model and a stimulus for future research. The project also strives to contribute to the public discussion about future social and political developments in Germany and in the United States.

For more information see www.ghi-dc.org/competingmodernities/index.cfm

 

Natural Disasters in Transatlantic Perspective: River Floods in German and U.S. History

(Project Director: Prof. Dr. Christof Mauch in collaboration with Uwe Lübken, Washington, DC)

For more information see www.ghi-dc.org/publications/ghipubs/bu/035/35.98.pdf


Amerikanische Europakonstruktionen

(Prof. Dr. Christof Mauch mit Ariane Leendertz und Maren Roth)

Internationale Umweltgeschichte: Natur als kulturelle Herausforderung

(Prof. Dr. Christof Mauch mit Helmuth Trischler, Deutsches Museum)

 

Forschungsaufenthalte

Titel: American Visual Culture: Interdisciplinary Approaches to Research and Teaching
Leitung: Prof. Dr. Christof Decker (LMU) in Kooperation mit Prof. Dr. Mark Sandberg (UCB)
Projekttyp: Mini-Workshop
Dauer: 26. September bis 5. Oktober
Ort: UC Berkeley

Verantwortlich für den Inhalt: Amerika-Institut