Amerika-Institut
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Aktuelle Projekte

The ‚French Craze’: French Things and the Politics of Taste in the United States, 1780s-1860s

(Dr. Nadine Klopfer)

french nadineGeorge Washington bestand schon 1788 darauf, man möge ihm eine neue goldene Uhr aus Paris mitbringen, und zwar eine schlichte, jedoch elegante und hochwertige Uhr. Auch seine Tischdekoration ließ sich der erste amerikanischen Präsident aus der französischen Hauptstadt kommen; Stühle kaufte er lieber second hand dem französischen Botschafter ab. James Monroe entrüstete 1817 die Öffentlichkeit, als er das Weiße Haus mit nicht ganz günstigen Möbeln eines Pariser Innenausstatters bestückte. Viele wohlhabende Amerikaner der Early Republic ließen ihre privaten Häuser mit französischen Gegenständen einrichten. Von Tapeten, Lampen, Uhren und Porzellan zu Gemälden, Sofas, Tischen und Vorhängen: Ganze Interieurs wurden aus Paris importiert. Gerade für die Zeit nach der politischen Unabhängigkeit wurde in der Forschung eine gewisse kulturelle Unsicherheit diagnostiziert, weil sowohl nationale Identität als auch wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Gepflogenheiten immer in Relation zu Großbritannien gedacht wurde. Welche Rolle aber kam den französischen Dingen im Rahmen dieses ‚postkolonialen Paradox’ zu?

Das Habilitationsprojekt befasst sich mit dem sogenannten ‚French craze’, einer in der amerikanischen Gesellschaft verbreiteten Faszination für französische Dinge, die die frühe Republik bis in die 1860er Jahre hinein prägte. Anhand einer Kulturgeschichte der ‚French things’ in den USA und ihrer Zirkulation im transatlantischen Handel erzählt das Buch eine Geschichte des nation building und der Gesellschaftsformierung als transatlantische Verflechtungsgeschichte der materiellen Welt.

The Arts of Autonomy

(Prof. Dr. Pierre-Héli Monot)

LOGO_ERC-FLAG_EU_Why do some literary texts become the object of intense public discussion? How does the public identify the polemical content of literary statements, and how does the public rationalize and discuss these texts? What can the humanities contribute to our understanding of such discursive events in the public sphere? The project The Arts of Autonomy: Pamphleteering, Popular Philology, and the Public Sphere, 1988-2018 is funded by an ERC Starting Grant. Its overall objective is to gain a better understanding of the role of polemical literature in the contemporary public sphere in Europe and the United States. In the last three decades, the spectacular resurgence of polemical writing as a mode of political address has been correlated with the resurgence of assertions of autonomy in public discourse. Since the Dreyfus Affair and Émile Zola’s “J’accuse…!” (1898), short, massively ideological, and incitative texts have been a vital medium of modern public intellectuality. The Arts of Autonomy argues that pamphleteering is one of the crucial discursive forms in contemporary Western public discourse and that its systematic study as a literary and rhetorical form is essential in order to gain an understanding of the formation of opinion and policy in Europe and the United States. By integrating philological, philosophical, polititological and empirical research perspectives, The Arts of Autonomy will produce a first systematic, large-scale account of contemporary pamphleteering and shed new light on the perceived radicalization of political, cultural, and social ideals and discourses in Western societies.

‘The End of Privacy?’ ‒ Selbst- und Fremdbeobachtung in den USA des 20. und 21. Jahrhunderts“

(Dr. Bärbel Harju)

vigilanz bärbelIm Rahmen des von der DFG geförderten Sonderforschungsbereichs „Vigilanzkulturen“ leitet Dr. Bärbel Harju ein amerikanistisches Teilprojekt mit dem Titel ‘The End of Privacy?’ ‒ Selbst- und Fremdbeobachtung in den USA des 20. und 21. Jahrhunderts,“das sie gemeinsam mit einer Doktorandin, Loredana Filip, bearbeitet. Weitere Informationen, Termine und Veranstaltungen sind auf der Website des SFB auffindbar.

Grüne Neue Welt: Reisen in die Geschichte und Natur der USA

(Prof. Dr. Christof Mauch)

grüne neue weltDas Forschungs- und Publikationsprojekt ist keine gewöhnliche Geschichte der USA. Nicht die Politik, nicht die Präsidenten und die Kriege, stehen im Zentrum. „Grüne Neue Welt“ erzählt die Geschichte der Amerikaner und ihres Verhältnisses zur Natur am Beispiel von ausgewählten Orte und Regionen und deren natürlicher und kultureller Verwandlung über längere Zeiträume hinweg. Die Recherchen basieren auf Forschungen vor Ort. Für die Auswahl war nicht in erster Linie das Spezifische ausschlaggebend, sondern das Symptomatische und Repräsentative. Dodge City, Kansas, zum Beispiel steht für die Prärie des Mittleren Westens mit ihren weiten Ebenen, den Sandstürmen und den riesigen Rinderherden. St. Thomas, Nevada, repräsentiert die Wüste, die künstlich bewässerte und militarisierte Landschaft des amerikanischen Südwestens. Wiseman, Alaska, verkörpert die Arktis, die Ausbeutung der Naturressourcen wie Gold und Öl, aber auch den Schutz der Wildnis. Memphis, Mississippi, steht stellvertretend für andere Orte am Mississippi River, der ganz eigene Kulturen hervorgebracht hat. Malibu, Kalifornien, vertritt jene Orte an der südlichen Pazifikküste, die in unserer Imagination paradiesisch erscheinen, zugleich jedoch von Naturkatastrophen aller Art heimgesucht werden. Das Kapitel Disney World, Florida, führt in die Umweltgeschichte der subtropischen Feuchtgebiete im Südosten. Und Portland, Oregon, zeigt, wenngleich nicht ganz ohne Augenzwinkern, dass es in Amerika Orte gibt, die kritisch mit ihrer toxischen Vergangenheit umgehen und sich gezielt als nachhaltige Gemeinwesen neu erfinden.

Die Anspielung des Titels „Grüne Neue Welt“ auf Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ ist beabsichtigt. In Huxleys Roman ist die Welt nicht wirklich schön. Analog ist sie im vorliegenden Buch auch nicht wirklich „grün“. Die Vereinigten Staaten sind nicht gerade für grüne Landschaften bekannt - ein Großteil des nordamerikanischen Kontinents ist braun, Teile der Wüste sind rötlich, die Gipfel der Rockys und Alaskas sind weiß; auch im übertragenen Sinne wird man die USA wohl kaum als ökologisch-grüne Welt bezeichnen. Dennoch ist der Titel nicht nur ironisch oder gar als dystopische Zukunftsvision im Sinne von Huxley gemeint. Vielmehr will er provozieren. Die meisten Publikationen zur Umweltgeschichte und -politik der USA gehen von der schleichenden Zerstörung der Natur durch den Menschen aus. Diese pessimistische Meistererzählung betont das kulturelle Versagen des Menschen. Zuweilen geht sie sogar so weit, „das Ende der Natur“ (Bill McKibben) zu prophezeien. Die Realität ist freilich komplizierter. Bewahrung und Zerstörung liegen oft nahe beieinander. Diese Einsicht kommt in den hier erzählten Geschichten zum Vorschein, weil die Geschichten grundlegende Spannungen und Ambivalenzen im Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt ans Licht bringen und damit über die Geschichte der USA hinausweisen.

Tor in die Zukunft? Debatten um die Umgestaltung von Porto Maravilha (Rio de Janeiro)

(Prof. Dr. Ursula Prutsch)

Die waterfront von Rio de Janeiro, der Porto Maravilha, erlangte durch die jahrhundertelange Ära des Kolonialismus und der Sklaverei als wichtigster Hafen der Stadt große Bedeutung. Seit 2011 wird die Hafenzone durch public-private partnerships „revitalisiert“. In einer Stadt, die mit Exotik, Delinquenz und Drogenökonomie assoziiert wird, sollte die Hafenzone im Kontext der FIFA Fußballweltmeisterschaft 2014 und der Olympischen Sommerspiele 2016 ein international beachtetes Schaufenster für urbane Ethiken darstellen, mit Grünflächen, leistbarem Wohnen und sauberem Wasser. Erstmals in der Geschichte des Landes will die Hafenzone auch ein Ort verantwortungsvoller Vergangenheitsbewältigung sein und die Verbrechend der Sklavenökonomie in kulturhistorischen Projekten wie Museen, afro-brasilianischen Denkmälern, Kulturzentren und Veranstaltungen im öffentlichen Raum kritisch-analytisch präsentieren. Insgesamt sollte das Projekt den Porto Maravilha als Spiegelbild sozialer Inklusionspolitiken in der Stadt, im Bundesstaat Rio de Janeiro und im Bund fungieren, wie sie durch die ehemaligen Regierungen von Luiz Inácio Lula da Silva und Dilma Rousseff (2003-16) angestrebt und teils realisiert worden waren. Das Projekt arbeitet heraus, welche Entscheidungen der architektonisch-symbolischen und ökonomischen Transformation der Hafenzone in einer top-down Politik getroffen wurden und welche Ergebnisse durch die Zusammenarbeit zwischen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren erzielt wurden. Zudem analysiert es, welche Formen der governance, welche Möglichkeiten sozialer Kreativität eine Rolle spielen, ob ethische Subjekte in der Umgestaltung der Hafenzone zur Sprache kommen und die Kulturpolitik tatsächlich ein neues historisches Bewusstsein über die Geschichte der Sklaverei generiert. Das Projekt ist Teil der interdisziplinären DFG-Forschergruppe „Urbane Ethiken“ an der LMU.

SFB (1369) Vigilanzkulturen: Transformationen—Räume—Techniken TP A03: Selbstbeobachtung und Selbstermächtigung in der amerikanischen Aufklärung

Teilprojektleiter: Prof. Dr. Klaus Benesch

Mitarbeiter (Postdoktorand): Patrick Geiger

Wiss. Hilfskraft: Julius Zimmer

sfb klausDas Teilprojekt untersucht die für die Themenstellung des SFB sehr wichtige Transformation religiöser in aufgeklärt-weltliche Formen von Vigilanz anhand ausgewählter historischer Quellen und autobiographischer Texte des 18. Jahrhunderts.

Ausgehend von der sich im 18. Jahrhundert in den amerikanischen Kolonien ausbreitenden, systematischen Selbstbeobachtung in Form von Tagebüchern und Tugendkatalogen, wie man sie exemplarisch bei William Byrd oder Benjamin Franklin findet, sollen säkularisierte Formen der puritanischen ideology of control beschrieben werden. Diese sind Teil einer alle Lebensbereiche erfassenden Kultur der Selbstoptimierung, die von einem neuen, aufgeklärten Verständnis von Schicksal und Geschichte als grundsätzlich offenen Kategorien menschlicher Selbstentfaltung sowie der daraus resultierenden Unwägbarkeit hinsichtlich der Erreichung selbstgesetzter Ziele angetrieben wird.

Das Teilprojekt arbeitet anhand von Tagebüchern, Tugendkatalogen, Autobiographien, Zeitschirften (Early American Lmanacs), Korrespondenzen und politischen Essays unterschiedliche Erscheinungsformen dieser Transformation heraus und nimmt dabei sowohl die Differenzen als auch die Kontinuitäten zwischen religiösen und weltlich-autonomen Praktiken von Vigilanz in den Blick.

DFG-Forschergruppe 593 "Anfänge (in) der Moderne: Theoretische Konzepte, literarische Figurationen, historische Konstruktionen"
Teilprojekt "Anfangsorte: Topographien der Erneuerung in der amerikanischen Romantik, 1820 – 1870"

(Prof. Dr. Klaus Benesch, Sascha Pöhlmann)

Das Teilprojekt Anfangsorte hat zum Ziel, den Zusammenhang zwischen Anfängen und den Orten, an die diese Anfänge imaginativ gebunden bzw. zu denen sie in Beziehung gesetzt werden, in der formativen Periode der amerikanischen Literatur, der sogenannten „American Renaissance“, zu analysieren. Es verbindet damit zwei den Kategorien von Raum und Zeit untergeordnete und zumeist isoliert betrachtete Konzeptualisierungen des Anfangs, die für die im 19. Jahrhundert entstehende Nationalliteratur der USA von zentraler Bedeutung sind. Das Projekt geht von der Annahme aus, daß sowohl Orte als auch Anfänge grundsätzlich diskursiv konstituiert sind, und daß beide im literarischen Diskurs der Zeit in komplexer Weise miteinander verschränkt werden. Den kultur- und geistesgeschichtlichen Hintergrund für diese Verschränkung bildet dabei zum einen die Herausbildung einer eigenen, an der sublimen Weite des amerikanischen Naturraums orientierten nationalen Ästhetik. Zum anderen wird in einem Teil der zeitgenössischen Literatur genau dieses Ausgreifen in den transzendentalen Raum der Natur als Problem gesehen und nunmehr mit der (Selbst-)Beschränkung auf konkrete, genau bestimmbare ‚Orte’ beantwortet. In welchem Verhältnis diese Orte dann einerseits zum epochalen Projekt der neuen Nation stehen bzw. andererseits die Brüche und Ambiguitäten in der diskursiven Konstruktion von Modernität insgesamt widerspiegeln, soll am Beispiel zentraler Texte von Thoreau und Whitman unter Einbeziehung der „space/place“-Debatte im Ecocriticism und in den Environmental Studies herausgearbeitet werden.

Website: http://www.forschergruppe-anfaenge.lmu.de/

Competing Modernities: Germany and the United States, 1890 to the Present

(Project Director: Prof. Dr. Christof Mauch and Kiran Patel, Harvard University)

The goal of this project is to systematically compare the paths of the United States and Germany from a number of vantage points over an extended period of time. Made possible by a grant from the Robert Bosch Stiftung (Stuttgart) and the support of the German Historical Institute, the project is directed by Christof Mauch (Amerika-Institut) and Kiran Patel (Harvard University) and is also supported by the American Institute of Contemporary German Studies. It is conceived for a broader public in addition to an academic audience. One of the project’s major objectives is the publication of a collection of scholarly but highly readable essays in English and German. Because it is the first comprehensive comparison of two national histories on this scale, it is hoped that the publication will serve as a model and a stimulus for future research. The project also strives to contribute to the public discussion about future social and political developments in Germany and in the United States.

For more information see www.ghi-dc.org/competingmodernities/index.cfm

Natural Disasters in Transatlantic Perspective: River Floods in German and U.S. History

(Project Director: Prof. Dr. Christof Mauch in collaboration with Uwe Lübken, Washington, DC)

For more information see www.ghi-dc.org/publications/ghipubs/bu/035/35.98.pdf

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